Wachssiegel

Wappen

Siegel ca. 38 mm Durchmesser


gebraucht erhalten. ( siehe Fotos )


Die heraldische Lilie ist in der Heraldik eine gemeine Figur, bestehend aus drei stilisierten Blättern, die von einem Band zusammengehalten werden. Das mittlere Blatt ist oben und unten zugespitzt, die äußeren Blätter hängen herab und sind oben nach außen umgebogen. Das Zeichen ist eine stilisierte Schwertlilie (Iris), die mit der Lilie (Lilium) botanisch nur entfernt verwandt ist.

Das Unicodesymbol der heraldischen Lilie ist U+269C (9884) ⚜


Mit dem gewöhnlich dargestellten „Band“ um die Blütenblätter heißt die heraldische Lilie umgürtet; fehlt es, ist sie nicht umgürtet. Weitere Varianten der heraldischen Lilie haben eigenständige Namen erhalten. Fehlt der Lilie das Mittelblatt wird sie als verstümmelt blasoniert; derselbe Begriff wird verwendet, wenn nur der untere Teil des Mittelblatts fehlt. Häufig wird das Mittelblatt auch durch andere Symbole wie ein Kreuz oder eine gestielte Blume ersetzt und muss beschrieben werden. Fehlen unterhalb des Gürtels die Außenblätter, so handelt es um eine arabische Lilie.

Die Lilie ist zumeist golden oder silbern tingiert.

Bis heute gilt die gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) als ritterlich, während der blau-purpurne Kulturformenkreis der „Ritter-Schwertlilie“ (Deutsche Schwertlilie, Iris × germanica) in Wappen seltener dargestellt ist. Die weiße bis bläuliche „Dalmatinische Iris“ (Bleiche Schwertlilie, Iris pallida), die, ebenso wie die Albinoform der „Florentiner Schwertlilie“ (Iris germanica var. florentina), als Veilcheniris, Veilchenwurz oder Violwurtz zur Herstellung des Veilchenparfüms (antikes Desodorant) genutzt wird, dient als Emblem des Wohlstands und des Reichtums durch Handel. Diese Lilien werden rot dargestellt, selten auch schwarz. Mit „Lilie“ im folgenden Text ist stets die „heraldische Lilie“ gemeint, die botanisch gesehen keine Lilie, sondern eine Iris ist.

In der französischen Heraldik ist die Lilie unter dem Namen Fleur-de-Lys oder Fleur-de-Lis („Lilienblume, Lilienblüte, französische Lilie“) bekannt und steht im speziellen Bezug zu Frankreich als das wohl bekannteste Symbol der französischen Monarchie.

Der im hohen Mittelalter aufgekommenen Legende nach wurde die Lilie dem Merowingerkönig Chlodwig I. von einem aus dem Himmel herabgestiegenen Engel überreicht. Die Geschichte ist in verschiedenen Variationen überliefert; in der Regel wurde sie mit der Taufe des Frankenherrschers nach der Schlacht von Zülpich (496) in Zusammenhang gebracht. Auch ließ man Königin Chrodechild die Lilien in Empfang nehmen, um sie diese ihrem Ehemann überreichen zu lassen, womit ihr herausragender Einfluss auf die Konversion Chlodwigs zum katholischen Glauben hervorgehoben wird (siehe die Darstellung im Stundenbuch des Bedford-Meisters; zum Motiv vgl. auch die Verkündigung des Herrn). Im Selbstverständnis des kapetingischen Königtums des hohen Mittelalters unterstützte die Lilie als unverkennbares äußerliches Symbol seinen Anspruch, die königliche Autorität unmittelbar von Gott erhalten zu haben, ohne dazu eine Vermittlung seitens des Papstes oder des Kaisers notwendig gehabt zu haben.
Siegel Roberts des Frommen

In einem Siegel Roberts II. des Frommen (996–1031) wurde erstmals bei einem Kapetingerkönig die Lilie für die Darstellung des Kronornaments genutzt, womit dies überhaupt die früheste bekannte Darstellung eines fränkischen Monarchen mit diesem Symbol ist. Ab König Philipp I. (1052–1108) zierte die Lilie im Siegel das Ende des königlichen Zepters, und ab Philipp II. August (1179–1223) trugen die Könige in ihren Siegeln neben dem Zepter auch eine Lilie in ihrer freien Hand. Für die Krönungsfeier Philipps II. im Jahr 1187 ließ dessen Vater, Ludwig VII., einen blauen Mantel mit eingenähten goldenen Lilien anfertigen. Ihre endgültige Etablierung als königliches Erkennungszeichen erlangte die Blume durch Ludwig VIII. (1223–1226), der schon als Kronprinz die Azure semé-de-lis Or (blauer Schild mit dicht angeordneten Lilien aus Gold) als sein Siegelzeichen und Schildwappen verwendete. Auch dessen Bruder Philipp Hurepel verwendete sie in seinem Wappen, worin ihn sich alle nachfolgenden königlichen Prinzen zum Vorbild nahmen. Um fortan als Angehöriger des „Hauses Frankreich“ ausgewiesen zu werden, wurden die Fleur-de-Lys zum unentbehrlichen Bestandteil im Wappen eines Geblütsprinzen.

Nach dem Biographen Guillaume de Nangis (Vita Sancti Ludovici IX) erhellte die Lilie kraft der drei Werte, die sich in ihren Blätter manifestieren, das französische Königtum.[2] Während das mittlere Blatt den Glauben (foy) symbolisiert, stehen die zwei flankierenden Blätter für Ritterschaft (chevalerie) und Weisheit (sapience).

1376 wurde die Anzahl der Lilien im Wappen von Karl V. in Würdigung der heiligen Dreifaltigkeit auf drei reduziert. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Lilie so eng mit der Herrschaft über Frankreich in Verbindung gebracht, dass der englische König Eduard III. sein Abzeichen 1340 mit der Lilie schmückte, um seinen Anspruch auf die französische Krone zu bekräftigen. Diese Lilie wurde erst 1801 entfernt, als Georg III. den Anspruch auf den französischen Thron aufgab.

Seit dem Mittelalter an war es auch üblich, Personen oder Familien sowie Kommunen, die sich in besonderer Weise für den König verdient gemacht haben, dadurch zu würdigen, dass ihnen das Tragen der Lilien in ihren Wappen gestattet wurde. Den sogenannten guten Gemeinden (bonnes villes), die dem Königtum besonders eng verbunden waren, wurde das Hinzufügen eines Lilienbandes (Chef de France) im Wappen gewährt. Eine prominente Person, deren Familie aufgrund ihrer Taten geadelt wurde, war die Nationalheilige Jeanne d’Arc, der von König Karl VII. ein blaues Wappen mit zwei Lilien verliehen wurde. Zugleich nahm ihre Familie den Namen du Lys („zur Lilie“) an.